Interview mit Kawo Reland

Kawo Reland, Produzent der Produktionsfirma Datalife Entertainment, über Schauspieler und den Weg zum Erfolg

 

Das Interview mit Judith Leopold, Kultur und Kinoredakteurin

Judith: Demoband.at gibt es ja nun schon seit mehr als 10 Jahren. Was kann man sich darunter vorstellen?

Kawo: Wir starteten ursprünglich als Kollektiv von mehreren Filmproduktionsfirmen und Filmschaffenden und haben uns neben unseren sonstigen filmischen Tätigkeiten auch auf die Showreelproduktion spezialisiert. Unsere langjährigen Kontakte zu Equimentverleihern und unsere Erfahrung helfen uns dabei, zu geringen Budgets, qualitativ hochwertiges Material zu produzieren. Dieses hilft jeden angehenden Schauspieler sich erfolgreich in der Branche zu etablieren. Unser Schwerpunkt liegt jedoch nicht nur in der Szenen- und Kurzfilmproduktion sondern auch in der Bearbeitung und im Ton und Bildschnitt von bereits vorhandenem Material. Seit 2010 leite ich mit der Firma Datalife Entertainment nun das Demoband-Department.

Judith: Was zeichnet euch speziell aus?

Kawo: Jahrelange Erfahrung in der Arbeit mit Schauspielern, unsere technischen Möglichkeiten dank hochwertigem Equipment und vorallem der Umstand, dass wir alle direkt aus den Bereichen Regie, Casting und Postproduction kommen.

Judith: Was macht ein hochwertiges Demoband aus?

Kawo: Ein gutes Band legt von der ersten Sekunde an den Fokus auf die Person um die es geht: Den Schauspieler oder die Schauspielerin. Sowohl visuell als auch auf der Tonebene. Keine langen Fotocollagen oder effekthascherischen Trailershows, sondern Stimme und Aktion gleich zu Beginn, sollen ein richtiges Bild von der Person vermitteln. Dem Caster muss im Idealfall sofort klar sein, mit welchem Typus Mensch, er es zu tun hat. Die Aufmachung des Menüs sowie das Gesamtbild des geschnittenen Materials muss professionell sein, die Persönlichkeit des Schauspielers unterstützen, aber nicht überdecken. Darüber hinaus muss bei produzierten Szenen die Rechtesituation geklärt sein. Theaterszenen, oder bereits vorhandene Filmszenen neu zu drehen ist nicht nur ein juristisches No Go sondern endet meistens auch peinlich. Bei uns wird alles vom Drehbuch an weg neu produziert. Somit ist die Rechtesituation von Haus aus geklärt. Ausserdem ist der gesamte Arbeitsprozess für alle Beteiligten, ganz speziell für die Schauspieler, viel interessanter. Zusammengefasst kann man sagen: Man muss sich darüber im klaren sein, dass ein Demoband auch mithilft, dem Schauspieler ein Image zu verleihen. Wenn man dieses selbstgewählte Image durch das Demoband zeigt, dann ist es auf alle Fälle ein gutes Band!

Judith: Was ist bei der Produktion zu beachten, sowohl für den Auftraggeber, als auch von eurer Seite aus?

Kawo: Vor jeder Szenenproduktion fragen wir uns: Was macht den Menschen bzw den Schauspieler eigentlich aus, wo liegen seine Stärken, wie wirkt er, oder sie? Und das streichen wir heraus. Auf das aufbauend entwickeln wir die Szenen – sofern eine Szenenproduktion nötig ist. Das „typische“ an der Person zählt. Meinetwegen könnte man auch sagen: Ein absichtliches “Schubladisieren” hilft am ehesten sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. In einem allerersten Band gleich unbedingt alle Facetten zeigen zu müssen funktioniert meistens nicht und ist auch keine kluge Taktik. Eine Bandlänge zwischen 4 und 5 Minuten ist optimal. Aber das hängt dann wiederum von den Szenen ab die man wählt. Wenn diese einigermassen spannend sind, wär es natürlich optimal. Wenn es einen förmlich in den Bildschirm zieht, kann ein Demoreel auch schon mal länger dauern. Bei der Produktion achten wir darauf in inhaltlicher und technischer Hinsicht Fernsehstandards zu erfüllen, sowie dies budgetär möglich ist. Kunstfilm und Experimentelles hat im Regelfall keinen Platz bzw. ist der Sache ansich zumeist nicht dienlich.

Judith: Wie lange dauert die Produktion eines Demobandes?

Kawo: Für die Szenenproduktion, sprich wenn man alles von der Picke auf an neu macht, muss der Schauspieler mit einem Zeitrahmen von mindestens 14 Tagen bis drei Wochen rechnen. Sprich vom Tag der Auftragsannahme und der Bucherstellung bis zum fertiggeschnittenen Band dauert es in etwa so lange. Ruckzuck-Aktionen gibt`s bei uns nicht und wären auch qualitativ nicht sinnvoll. Wenns nur um Schnitt von bereits vorhandenem Material geht, benötigt man je nach Umfang des Material meist nur einen bis zwei Tage bis das Ergebnis so aussieht, das es allen gefällt.

Judith: Wie ist das mit Musikrechten?

Kawo: Die Verwendung von Musik ist ein nicht unheikles Thema. Nach wie vor wird der Fehler gemacht im Band urheberrechtlich geschütze Musik zu verwenden. Nachdem ein Demoband heutzutage aber nicht nur auf DVD, sondern sinnhafter Weise auch online zur Verfügung stehen muss, ist dies rechtlich in Zeiten des Abmahnwahns äußerst bedenklich. Wir verwenden bei der Produktion innerhalb der Szenen daher ausnahmslos Gema/AKM freie Musik, bei der die Rechte bei uns liegen. Das selbe gilt wie schon erwähnt auch für die Szenen selbst. Es gibt schließlich nicht nur Musik- sondern auch Autorenrechte. Es schockiert mich, zu erfahren, dass es Filmschulen gibt, die ihren Schülern zwar tausende Euros für die Ausbildung abknöpfen, aber ihre Absolventen dann ohne Material in die Praxis entlassen. Und wenn Material aus dem Unterricht vorhanden ist, dann stammen die Texte aus bereits vorhandenen Filmen und wurden sehr schlicht mit Camcordern abgefilmt. Mich hat fast der Schlag getroffen als ich das kürzlich bei jemanden gesehen habe. Gerade Filmschulen sollten doch im Normalfall über die rechtliche Situation in diesem Bereich Bescheid wissen und ihre Schüler in dieser Hinsicht auch aufklären. Auch über die Notwendigkeit zu drehende Szenen in einem wenigstens halbwegs professionellen Licht erscheinen zu lassen und nicht einfach billigst abzufilmen.

Judith: Hat man als Schauspieler heutzutage überhaupt ohne Demoband eine Chance auf dem Markt bestehen zu können?

Kawo: Ach, möglich ist alles. Man kann sich freilich ohne Band durch alle möglichen Castings durchbeissen und ohne Band Überzeugungsarbeit leisten. Es ist allerdings sehr fraglich ob soetwas Sinn macht. Ich persönlich kenne jedenfalls genug Schauspieler, die es mit Hilfe eines guten Bandes geschafft haben. Allerdings kenne ich keinen Einzigen, der es ohne professionelles Band geschafft hätte akzeptable Rollen in Film oder TV zu bekommen. Korrigiere: Doch ich kenne jemanden. Aber da müssten wir jetzt über Vitamin B reden und wir würden vom Thema abkommen. Und wieviele angehende Schauspieler haben das heute schon? Ein Band ist jedenfalls auch soetwas wie die Visitenkarte eines Schauspielers. Ein Onlineauftritt ist da heute ja ebenfalls schon unumgänglich. Aber was man darüber hinaus noch mitbringen sollte ist „Kommunikationsfähigkeit“ und die Gabe auf Entscheidungsträger zuzugehen. Und natürlich der lange Atem und eine gewisse Hartnäckigkeit. Das Band alleine ist also schon wichtig, aber es ist auch nicht alles. Die Art und Weise wie man hinter seinem Beruf steht, ist das Um und Auf für den Erfolg. Und diesen sollte man immer auch langfristig betrachten.

Judith: Du hast ja auch bekanntere Schauspieler wie beispielsweise Barbara Wussow, Serge Falk oder Lena Reichmuth in deiner Referenzliste. Ist es so, dass man als etablierter Schauspieler tatsächlich auch noch ein Demoband benötigt?

Kawo: Natürlich! Ein Demoband erfüllt ja nicht nur den Zweck den Karrierestart anzukurbeln, sondern soll eine bereits vorhandene Karriere auch weiteraufbauen. Man ist innerhalb dieses Marktes ja ständigen Veränderungen ausgesetzt. Unzählige Neueinsteiger kommen jährlich nach und die Produktionsbedingungen ändern sich permanent. Lena Reichmuth ist ein hervorragendes Beispiel, wie man eine Karriere auch mit einem Demoband mitsteuern kann. Ich betreue sie seit vielen Jahren. Ganz zu Beginn hatten wir kaum Material, doch wir wussten in welche Richtung es gehen soll. Heute dreht sie in Italien, Frankreich, Deutschland und Österreich.  Aber es gibt auch noch viele andere Beispiele von Schauspielerin, die Dank entsprechender Hartnäckigkeit und mit der richtigen Selbstvermarktung gut Fuss fassen konnten. Als Demobandproduktion waren wir hier massgeblich daran beteiligt und das freut uns natürlich sehr.

Judith: Wenn du frei wählen könntest, für welchen bekannten Schauspieler würdest du gerne ein Demo-Band fertigen und für was sollte er sich damit bewerben?

Kawo: Wenn ich „bekanntere Schauspieler“ höre, kommen mir immer recht absurde Ideen in den Kopf. David Hasselhoff als westlichen Antagonisten tanzend und singend in eine Bollywoodproduktion reinzubringen, wäre mal etwas ganz neues, aber gar nicht mal so abwegig. Dann frage ich mich immer wieder was aus den Kinderstars von einst wurde. Henry Thomas, der Darsteller des Jungen in „E.T. der Außerirdische“, fällt mir da auch spontan ein. Das ist über 30 Jahre her, aber es wäre interessant zu sehen, wie er heute vor der Kamera agieren würde. Er arbeitet mittlerweile als Börsenhändler. So jemanden von früher wieder zurückzuholen in die Branche, dass stell ich mir sehr spannend vor. Vielleicht macht sich der sympathische Junge von früher heute beispielsweise als Serienkiller ganz gut. Vor der Kamera freilich…

Judith: Wie bist Du dazu gekommen Showreelproduzent zu werden?

Kawo: Das hat sich eher durch Zufall ergeben. Als ich vor knapp 13 Jahren meinen ersten Film gedreht habe, wollte ich diesen selbst schneiden und habe mir damals eine – aus heutiger Sicht antiquierte – Pinnacle DV 500 zugelegt. Irgendwann hat dann ein Exkollege vom Reinhardtseminar angefragt ob ich ihm nicht sein Demo schneiden könne, da er dringend zu einem Casting nach London müsse. Ich wollte den armen Mann nicht hängen lassen, da es ja praktisch so gut wie niemanden damals gab, der soetwas machte. Das waren die ersten Gehversuche und der Rest ist Mundpropanda. Heute umfasst unser Kundenstamm Damen und Herren aus halb Europa, darunter auch bekannte Gesichter. Einige betreuen wir schon über mehrere Jahre hinweg. Es ist sehr interessant zuzusehen, wie bei einigen Schauspielern und Schauspielerinnen das Material von Band zu Band umfangreicher und interessanter wird. Da weiß man dann auch: Man hat in die richtige Richtung gearbeitet.

Judith: Also kreiert ihr durch ein Band das ihr von jemanden anfertigt auch das Image desjenigen mit?

Kawo: Ja, das kann man durchaus so sagen. Ganz gleich jetzt ob in der Szenenproduktion, oder bei der Auswahl von bereits vorhandenen Szenen. Es wird jede Entscheidung durchbesprochen. Oft werden in Absprache mit dem Klienten auch die Agenturen dafür miteinbezogen.

Judith: In der Szenenproduktion hast Du ja vorallem mit Neueinsteigern bzw. Abgängern von Schauspielschulen zu tun. Auf was legst Du bei der Zusammenarbeit wert?

Kawo: Also grundsätzlich arbeiten wir zumeist nur mit fertig ausgebildeten Schauspielern. Eine gewisse Demut zu diesem Beruf ist für den langfristigen Erfolg unumgänglich. Wer diese Demut nicht hat, kommt als Klient für uns nicht in Frage. Diese Haltung vertrete ich auch als Caster wenn ich Produktionen besetze. Dieser Markt ist völlig übersättigt und umso wichtiger ist mir die Qualität in der Arbeit. Und die kommt nur zu tragen, wenn die Einstellung zum Beruf beim jeweiligen Schauspieler passt. Leute die schnell und günstig rasch Erfolg haben wollen, landen schneller am Boden der Tatsachen als sie schauen können. Ich bevorzuge Leute mit handfester Ausbildung, keine Castingshow-Schnellschüsse.  Ein Demoband zu produzieren ist ein Arbeitsprozess und eine hochspannende Angelegenheit. Dazu benötigt es sowohl von uns als auch vom Kunden bzw Schauspieler eine professionelle Arbeitseinstellung. Dann ist das Ergebnis prinzipiell immer gut.

Judith: Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus, Deine Firma Datalife Entertainment betreffend? Am Spielfilm „Katharsis“ warst Du ja ebenfalls sehr massgeblich beteiligt, gibt es Pläne für ein neues größeres Projekt?

Kawo:Katharsis“ war ein verhältnismäßig kleines Independentprojekt, aber wir und die ausführende Produktionsfirma um Andreas Reisenbauer freuen uns, dass der Film so großen Anklang findet beim Publikum. Datalife Entertainment bleibt der Schiene „Showreelproduktion“ sowie „Multimediaproduktion für Webinhalte“ jedenfalls treu und strebt in nächster Zukunft auch sicher wieder ein Spielfilmprojekt an. Die Pläne liegen in der Schublade. Ich werde sie öffnen wenn ich die Zeit dafür finde.

Judith: Danke für das Gespräch

Judith Leopold arbeitet in Wien als Kultur- und  Kinoredakteurin für Print und Online. Zu ihren bisherigen Interviewpartnern zählen u.a.: 50 Cent, Aura Dione, Thomas D, Nick Frost.